Stellen Sie sich einen Montagmorgen vor, an dem sich der Rechner nicht mehr starten lässt und auf dem Bildschirm nur noch eine Lösegeldforderung steht. Ihre Kundenakten, die Beratungsdokumentation, die Korrespondenz der letzten Jahre: alles verschlüsselt. Ob dieser Morgen ein kurzer Schreck oder eine existenzbedrohende Katastrophe wird, entscheidet sich nicht an diesem Tag, sondern Wochen vorher, an dem Tag, an dem Sie Ihre Datensicherung eingerichtet haben. Genau darum geht es hier: um Datensicherung für Makler mit konkreten Werkzeugen und Preisen statt der üblichen Ermahnung, doch bitte Backups zu machen.
Die drei realen Bedrohungen: Ransomware, Defekt, Fehler
Ein Backup schützt gegen drei sehr unterschiedliche Ereignisse, die im Makleralltag alle vorkommen.
Die erste Bedrohung ist Ransomware. Ein Klick auf einen Anhang genügt, und eine Schadsoftware verschlüsselt alle erreichbaren Dateien, oft auch die auf angeschlossenen Festplatten und Netzlaufwerken. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI, bsi.bund.de) nennt Ransomware seit Jahren als eine der größten Gefahren gerade für kleine Betriebe.
Die zweite Bedrohung ist der Hardware-Defekt. Festplatten und SSDs haben eine begrenzte Lebensdauer. Eine SSD kann von einem Tag auf den anderen ausfallen, häufig ohne Vorwarnung und ohne Chance auf Datenrettung.
Die dritte Bedrohung ist der menschliche Fehler, und der ist am häufigsten. Ein Ordner wird versehentlich gelöscht, eine Datei falsch überschrieben, ein Laptop bleibt im Zug liegen. Für Makler kommt hinzu, dass ein solcher Verlust nicht nur ärgerlich ist. Gehen personenbezogene Kundendaten verloren, kann das nach Art. 33 DSGVO eine meldepflichtige Datenpanne sein. Wie Sie in diesem Fall vorgehen, lesen Sie im Beitrag Datenpanne melden: die 72-Stunden-Frist.
Die 3-2-1-Regel der Datensicherung, verständlich erklärt
Die 3-2-1-Regel ist die bewährte Faustformel für eine belastbare Sicherung. Auch das BSI verweist in seinen Backup-Empfehlungen auf mehrere Kopien, verschiedene Speichermedien und einen Aufbewahrungsort außer Haus. Die Regel besteht aus drei Zahlen:
- 3 Kopien Ihrer Daten. Das Original auf dem Arbeitsrechner zählt als erste Kopie. Dazu kommen zwei Sicherungen.
- 2 verschiedene Medien. Die Sicherungen liegen nicht auf demselben Speichertyp. Also zum Beispiel einmal auf einer externen Festplatte und einmal in einem Cloud-Speicher. So trifft ein einzelner Defekt nie beide Kopien gleichzeitig.
- 1 Kopie außer Haus. Mindestens eine Sicherung liegt an einem anderen Ort, damit Feuer, Wasserschaden oder Einbruch im Büro nicht Original und Backup auf einen Schlag vernichten.
Der Sinn dahinter ist einfach: Jede einzelne Zahl schließt eine Lücke, die die anderen offenlassen. Zwei Kopien im selben Raum überleben keinen Wohnungsbrand. Drei Kopien auf einer einzigen Cloud überleben kein gesperrtes Konto. Erst die Kombination macht die Sicherung robust.
Was gehört ins Backup? MVP, E-Mail, lokale Dokumente
Bevor Sie ein Werkzeug auswählen, sollten Sie wissen, was überhaupt gesichert werden muss. Viele Makler denken zuerst an ihr Maklerverwaltungsprogramm und übersehen den Rest.
- Das Maklerverwaltungsprogramm (MVP). Hier liegt der Kern Ihres Geschäfts. Läuft Ihr MVP als Cloud-Lösung beim Anbieter, kümmert sich dieser in der Regel um die Sicherung. Verlassen Sie sich aber nicht blind darauf: Prüfen Sie im Auftragsverarbeitungsvertrag, wie oft gesichert wird und wie Sie im Ernstfall wieder an Ihre Daten kommen. Läuft das MVP lokal auf Ihrem Rechner oder Server, sind Sie selbst für das Backup verantwortlich. Nutzen Sie in beiden Fällen regelmäßig die Export-Funktion und legen Sie den Export in Ihre eigene Sicherung.
- E-Mails. Ein großer Teil der Beratungskorrespondenz steckt im Postfach. Liegt das Postfach nur bei einem Anbieter, ist es eine einzige Kopie. Richten Sie einen lokalen Export ein oder binden Sie das Postfach so ein, dass die Nachrichten mitgesichert werden.
- Lokale Dokumente. Angebote, Policen, Scans, das Verarbeitungsverzeichnis, die Beratungsdokumentation, Vertragsunterlagen im Dateisystem. Alles, was nur auf dem Rechner oder auf einem Netzlaufwerk liegt, muss in die Sicherung.
- OneDrive und andere Cloud-Ordner. Achtung, ein häufiges Missverständnis: OneDrive, Dropbox oder Google Drive sind Synchronisation, nicht automatisch ein Backup. Verschlüsselt Ransomware eine Datei auf Ihrem Rechner, synchronisiert der Dienst die kaputte Version in die Cloud. Die alte Fassung ist dann nur über den Versionsverlauf zu retten, den diese Dienste zum Glück meist mehrere Wochen aufbewahren. Verlassen Sie sich trotzdem nicht allein darauf.
Für ein kleines Maklerbüro lohnt sich die Kombination aus einem lokalen und einem Cloud-Backup, weil sie die 3-2-1-Regel automatisch erfüllt. Die folgenden Preise sind Anhaltspunkte (Stand 2025) und ändern sich, prüfen Sie die aktuellen Tarife beim Anbieter.
Für die lokale Sicherung brauchen Sie ein Speichermedium und eine Software. Eine externe SSD mit 1 bis 2 Terabyte kostet einmalig etwa 70 bis 130 Euro. Für mehrere Arbeitsplätze eignet sich ein kleines NAS (etwa von Synology oder QNAP), das bei rund 250 bis 350 Euro plus Festplatten beginnt. Als Software genügt oft Bordmittel: Windows bringt „Dateiversionsverlauf“ und eine Sicherungsfunktion mit, auf dem Mac läuft „Time Machine“. Für ein vollständiges Systemabbild ist der „Veeam Agent for Microsoft Windows“ in der kostenlosen Variante verbreitet.
Für die Kopie außer Haus nutzen Sie einen Cloud-Speicher. Realistische Optionen sind eine Hetzner Storage Box (ab rund 4 Euro im Monat für 1 Terabyte), ein Backup-Dienst wie iDrive (mit Business-Tarifen im niedrigen zweistelligen Bereich pro Monat) oder Backblaze. Wenn Sie ohnehin mit Microsoft 365 Business arbeiten, ist OneDrive mit 1 Terabyte pro Nutzer bereits enthalten, je nach Tarif ab etwa 6 Euro pro Nutzer und Monat. Als kostenlose, quelloffene Backup-Software für die Cloud ist „Duplicati“ bekannt, das die Daten vor dem Hochladen verschlüsselt.
Unterm Strich lässt sich ein automatisches Cloud-Backup für ein kleines Büro deutlich unter 15 Euro im Monat betreiben, die lokale Sicherung kommt einmalig dazu. Wichtig ist vor allem, dass die Sicherung automatisch läuft. Ein Backup, an das Sie jeden Freitag von Hand denken müssen, wird irgendwann vergessen.
Verschlüsselung des Backups nicht vergessen
Ihre Sicherung enthält dieselben sensiblen Kundendaten wie das Original: Gesundheitsangaben, Vermögensverhältnisse, Ausweiskopien. Eine externe Festplatte mit ungeschützten Kundendaten, die verloren geht oder gestohlen wird, ist selbst eine Datenpanne. Art. 32 DSGVO verlangt geeignete technische Maßnahmen zum Schutz personenbezogener Daten, und Verschlüsselung wird dort ausdrücklich als eine solche Maßnahme genannt.
Konkret heißt das: Verschlüsseln Sie Ihre Sicherungen. Für externe Datenträger unter Windows Pro eignet sich „BitLocker“, plattformübergreifend und kostenlos ist „VeraCrypt“. Für Daten, die in eine Cloud wandern, sorgt „Cryptomator“ (ebenfalls kostenlos) dafür, dass beim Anbieter nur verschlüsselte Dateien ankommen. Bewahren Sie das Passwort getrennt vom Backup auf, sonst sperren Sie sich im Ernstfall selbst aus.
Der wichtigste Schritt: den Wiederherstellungs-Test machen
Dieser Abschnitt ist der Grund, warum viele Backup-Strategien im Ernstfall trotzdem versagen. Ein Backup, das Sie nie zurückgespielt haben, ist streng genommen kein Backup, sondern nur eine Hoffnung. Sicherungen laufen leer, weil ein Ordner nicht erfasst war, die Datei beschädigt ist oder das Passwort nicht mehr stimmt. Das fällt oft erst auf, wenn Sie die Daten dringend brauchen.
Deshalb der wichtigste Rat des ganzen Beitrags: Testen Sie die Wiederherstellung, bevor Sie sie brauchen.
- Löschen Sie eine unwichtige Testdatei und stellen Sie sie aus dem Backup wieder her.
- Öffnen Sie eine wiederhergestellte Datei und prüfen Sie, ob der Inhalt vollständig ist.
- Spielen Sie mindestens einmal einen ganzen Ordner zurück, nicht nur eine einzelne Datei.
- Prüfen Sie, ob Sie das Verschlüsselungspasswort tatsächlich zur Hand haben.
- Notieren Sie, wie lange die Wiederherstellung gedauert hat. So wissen Sie im Ernstfall, womit Sie rechnen müssen.
Wiederholen Sie diesen Test zweimal im Jahr und immer dann, wenn Sie am System etwas geändert haben.
Backup-Plan für Ihr Büro (Checkliste)
Damit aus der Theorie ein Plan wird, hier die Punkte zum Abhaken:
- Sie haben aufgeschrieben, welche Daten wo liegen: MVP, E-Mail, lokale Dokumente, Cloud-Ordner.
- Es existieren drei Kopien auf zwei verschiedenen Medien, eine davon außer Haus.
- Die Sicherung läuft automatisch, mindestens täglich für aktive Daten.
- Alle Sicherungen sind verschlüsselt, das Passwort ist getrennt verwahrt.
- Bei einem Cloud-MVP ist im Auftragsverarbeitungsvertrag geklärt, wie gesichert und wiederhergestellt wird.
- Sie haben die Wiederherstellung mindestens einmal erfolgreich getestet.
- Ein fester Termin für den nächsten Test steht im Kalender.
Wer diese Punkte einmal sauber einrichtet, verwandelt den gefürchteten Montagmorgen aus dem Anfang in eine Randnotiz. Für den Gesamtblick auf ein sicheres, aufgeräumtes Büro hilft die Checkliste für ein DSGVO-festes Maklerbüro, in der die Datensicherung ein Baustein von mehreren ist.
Zum Schluss ein ehrlicher Hinweis: Dieser Beitrag ordnet die Anforderungen praxisnah ein, ersetzt aber keine individuelle Beratung. Bei komplexeren Fragen zu Verantwortlichkeiten und Meldepflichten sprechen Sie mit Ihrem Datenschutzbeauftragten oder holen Sie fachlichen Rat ein.
Dieser Beitrag ist ein allgemeiner Ratgeber und ersetzt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung.